Toleranz und Frieden

Check, check, one-two.
Nein, ich habe mich nicht in der Kategorie vertan, auch wenn der Rahmen hier durchaus gesprengt wird.

Heute wurde die erste Folge der neuen Staffel des Tauschkonzerts „Sing meinen Song“ ausgestrahlt und ich strahle mit. Ich liebe dieses Format.
Viele werden sagen: ach der Xavier wieder, mit irgendwelchen B-Promis im Dschungel der Musik. Holt mich hier raus, hier läuft PUR. Und ich kann nicht anders, auch wenn sich meine Frau dafür von mir scheiden lässt: Ich war schon auf PUR Konzerten (ja Plural) und JA, ich habe mitgesungen! Gut, vermutlich wird sie sich nicht von mir scheiden lassen. Sie wird sagen: kein Wunder, Du hörst ja auch Hubert von Goisern, PRAG und andere seltsame Dinge.

Aber ich schweife schon ab. Eigentlich möchte ich sagen, dass ich diese Abende vor dem Fernseher richtig genieße und sich ein warmes Gefühl der Friedlichkeit in mir ausbreitet, weil ich es so herrlich finde, wie sich Musiker mit den Liedern eines anderen Künstlers auseinander setzen dürfen / müssen und dadurch eine Verbindung zwischen ihnen entsteht.
Daniel Wirtz, der mir vorher völlig unbekannt war, singt Yvonne Catterfeld. Man konnte auch ohne seine Musik zu kennen ahnen, dass das eine Herausforderung wird. Aber er stellt sich ihr. Das alles strahlt eine Toleranz aus, die ich gerne nehmen würde, um sie in Tüten verpackt einigen Menschen um die Ohren hauen zu können. Ja, hier lässt die Friedfertigkeit etwas zu wünschen übrig, aber auch bei mir gibt es Grenzen. Natürlich meine ich das nicht nur musikalisch. Mal schön eine kleine Papiertüte damit gefüllt und dann: „Guck mal, da vorne, der hat aber einen dicken Bart. Und dieser Umhang. Komm, wir gehen mal auf die andere Stra…“ BÄÄÄMMM – einmal die aufgepustete Tüte fest gegen die Stirn gehauen. Ja, das würde Frieden schaffen. In mir.  Kurzfristig.

Ich sage nicht, dass ich dagegen gefeit bin. Auch ich sehe viel zu viele Bilder in den Nachrichten  und wir neigen ja immer gerne dazu, das, was wir mit unseren Augen sehen, für bare Münze zu nehmen und auch schön zu pauschalisieren. Nicht nur Offebäscher sinn Verbrescher sondern auch alle, die anders sind. Alle.
Wechsel ich die Straßenseite, wenn mir ein vollbärtiger Moslem (ja, das sieht man doch sofort ;-P ) entgegenkommt? Nein. Wechsel ich die Seite, wenn mir eine Gruppe 15-jähriger mit Flaschen in der Hand begegnet? Vielleicht! – Sekunde, wie war das noch gleich, als ich 15 war…? Ja, dann geh Dir doch mal selbst aus dem Weg.
Für mich und meine Sicht auf die Menschen versuche ich dagegen anzukämpfen. Für mich, nicht für andere.

Einfach mal die Schublade aufmachen, alles rausholen, Schublade wegschmeißen. So etwas ähnliches passiert für mich auch bei diesem Tauschkonzert. Weg mit den Schubladen. Den Gesang von Yvonne Catterfeld mag ich nicht, aber wird ein Lied von ihr von Andreas Bourani (wieso hat  der keinen Bart?) gesungen, kriege ich die Gänsehaut kaum noch weg. Dieter Bohlen hat das geschrieben? Egal. Nur der Beweis, dass man mit Toleranz (und einer Wahnsinnsstimme) auch aus Scheiße Gold machen kann. Und wenn das mit Musik geht, muss das doch auch mit Vorurteilen gehen!

Wer weiß, vielleicht überzeugt Frau Catterfeld mich ja noch in den anderen Folgen, wenn sie Lieder der anderen Künstler singen muss. Aber auch nur vielleicht.

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