Er ist wieder da…

Der Tag ist angebrochen. A propos brechen: heute sind Bundestagswahlen. Prinzipiell ist das ja nicht weiter ungewöhnlich, aber ihr kennt mich ja. Ich bin schon vorher fassungslos. Selten habe ich mich so sehr mit den Parteien auseinander gesetzt; selten war ich so unentschlossen. Die Politikverdrossenheit kann ich sehr gut nachvollziehen, aber dennoch gibt es für mich kein Kneifen. Es muss eine Entscheidung her und zwar ganz entschieden gegen Rechts! Ist so ein bisschen wie mit den Aliens. Da muss die Welt halt mal zusammenrücken, wenn die angreifen und es gibt in dem Fall nur wenige Kriterien für eine vernünftige Wahl: nicht braun und möglichst eine Partei, die über 5% kommt.

Nichts desto trotz muss ich langsam einsehen, dass der Tag gekommen ist, an dem das Deutschtum, der Fremdenhass und die Spaltung wieder salonfähig gemacht wird. Keine hundert Jahre hat’s gedauert.
1924 war die NSDAP das erste Mal mit dabei. Wenn ich mich recht erinnere, gab es da keine 5% Hürde, aber sie hatten ohnehin über 6%. Nach einem kurzen Absacken Ende 1924 und in 1928, waren es 1930 dann schon über 18%. Der Rest ist Geschichte. Oder vielleicht auch wieder Gegenwart. History will teach us nothing. Ist leider so.
Same shit, different name.
Allerdings muss ich zugeben, dass es nicht einer gewissen Komik entbehrt, dass in der Parteiführung der AfD mit Frau Weidel eine lesbische Unternehmensberaterin sitzt, die mit einer Schweizerin aus Sri Lanka zusammenlebt und in der Schweiz gemeldet ist, wo sie auch Steuern zahlt (sagt Wiki). Kann man echt nicht erfinden, so was. Warum denn jetzt die neutrale Schweiz? Weil Österreich schon dran war? Was können denn die armen Länder dafür. Nachher heißt es wieder: war ja gar keine Deutsche (na gut, das ist wohl eher unstrittig bei Frau Weidel).
Dass die sich so gut mit Herrn Gauleiter Gauland versteht, ist erstaunlich, aber was tut man nicht alles für die Quote.
Das Parteiprogramm ist geschickt geschrieben, was mich fast noch mehr erschreckt.

Es ist leider zum Alltag geworden: ich sehe meine Kinder an, habe die Bilder der Nachrichten im Kopf und frage mich nur, in welcher Welt sie leben müssen. Aber ich bin noch nicht bereit aufzugeben, auch wenn ich ab heute Abend damit leben muss, dass der Weckruf der letzten Wahl ungehört verhallt ist. Ich hoffe inständig, dass – wie bitte auch bei Trump – eine Legislaturperiode reicht, um dem Wolf den Schafspelz über die Ohren zu ziehen. Vielleicht fallen wir auch alle vorher dem Klimawandel zum Opfer – ach nee, den gibt’s ja laut Gauland und Trump nicht.

Wenn die Welt irgendwann mal wieder komplett durchdreht und die Trümmerfrauen durch die Straßen laufen,  kann ich beruhigt sagen: wasn’t me!

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