Wirtz mit Musik besser?

Mit Wirtz Musik für mich jedenfalls schon. Und dennoch:
Gespaltene Nation, ich hör den Aufschrei schon
Mein Gott, was singt der da für’n Text,
völlig versaut, total versext
Das kann man doch nicht einfach senden
der wird noch in der Hölle enden…

etc.

Wie schon geschrieben, Daniel Wirtz hat mir gerade noch gefehlt. Deutsch, rockig, nicht genuschelt oder gegrölt, verständlich. Sowohl mit den Ohren, als auch mit dem Herzen. Klar wird er dargestellt, als der Kleine, der jetzt schön viel Aufmerksamkeit durch „Sing meinen Song“ bekommt, von dem sonst nur wenige etwas gehört hätten. Recht so, sage ich. Ich war eine Weile hin und her gerissen, aber ich verlinke doch mal auf einen Artikel aus der  Neuen Osnabrücker Zeitung von einem derzeit scheinbar sehr frustrierten Zeitgenossen:

http://www.noz.de/deutschland-welt/medien/artikel/588550/daniel-wirtz-flucht-naidoo-heuchelt-im-tauschkonzert#gallery&53430&0&588550

Herr Benedict hat die Sendung in einem Paralleluniversum gesehen und sowohl mit Plattitüden (ein Dank an wen auch immer für diese Rechtschreibung) als auch mit oberflächlichen Verlinkungen eine Kritik geschrieben, die eine gewisse Komik enthält. Nicht nur kloppt Herr Benedict auf Naidoo und Wirtz ein bisschen herum, nein, er verlinkt auch auf das „ehrliche Porträt“ zu Wirtz. Ja, das hat er auch selbst verfasst.

Wem die Artikel in der NOZ zu lang sind:
– Xavier Naidoo erweist sich als Heuchler
– zu Naidoo „In seinen homophoben Anti-Pädophilie-Anti-Abtreibung-Song ‚Wo sind’…“
– Christina Stürmer ist die liebste und langweiligste Musikerin im VOX-Panel
– „Der Song, mit dem der tätowierte Vollbart Wirtz sonst wüste Jungs anspricht, lässt sich bruchlos in Christina Stürmers Heile-Welt-Rock integrieren.“ (Wie genau tätowiert man einen Vollbart, Herr Benedict?)
– „Andreas Bourani pfeift zu Recht auf die Underground-Attitüde und kleidet die Nummer ungerührt in seine schönsten Klangfarben.“(Thema verfehlt, Herr Benedict. Setzen, sechs. Schon mal drüber nachgedacht, um was es in diesem Format geht?)
– Zu Wirtz‘ Lied „Overkill“: „Wirtz selbst erklärt es: Mit dem Overkill meint er das Dschungelcamp, und das ist für ihn „Volksverblödung de luxe“. (Leider wieder nix begriffen)
– „Wieso bloß hat Xavier Naidoo diesen unbekannten Daniel Wirtz in seine Show geholt? Womöglich nur, damit er dessen Nummer „Frei“ singen kann. Der Song hat alles, was Naidoo liebt: pathetische Leerformeln über „Lichter, die man in Dunkelheit gesperrt“.“ (Schön, dass hier von Leerformeln die Rede ist. Wie war das noch gleich mit den tätowierten Bärten?)
– Yvonne Catterfeld wird allerdings über den grünen Klee gelobt, für ihre „Neo-Soul-Nummer im Stil von Amy Winehouse“. Heilige Erykah Badu, da hat sich aber jemand weit aus dem Fenster gelehnt.

Und zu guter Letzt steht im „ehrlichen Porträt“:
„Ein einziger Artikel, so heißt es bei Vox, habe demnach die Karriere von Sub7even zerstört. O-Ton der Doku: „Der Journalist, der von der Plattenfirma beauftragt wurde, eine positive Exklusivstory über die Band zu schreiben, nutzt den Artikel für seine persönliche Abrechnung mit der Musikbranche.“ Wo gibt‘s denn so was?“ – Nun, Herr Benedict, ich denke, darüber müssen wir gar nicht weiter reden, solange es so schlecht gelaunte Redakteure gibt.

Jetzt habe ich mich mehr aufgeregt, als ich eigentlich wollte. Und das nach einem musikalisch gelungenen Abend. Ich bin froh, dass „dieser Daniel Wirtz“ an meine Ohren gedrungen ist. Auch hier wieder mit Textzeilen, die ich für mich keineswegs Leerformeln sind:

„Hier und jetzt endet die Geschichte! Die Story war so schlecht, dass ich auf ’nen zweiten Teil verzichte!“

Allein eine Zeile aus „Mon Amour“ passt noch besser zu Herrn Benedicts lyrischem Erguss:

„Außer Mist gab’s da nur Müll.“

In diesem Sinne: Rock on! \m/

Wir haben doch keine Zeit, Zeit, Zeit.

Hallo Freunde und solche, die es vielleicht mal waren.

Es ist wieder Dienstag, es ist wieder „Sing meinen Song“ Tag und wieder kommt einfach mal eine Textzeile vorbei, die richtig tief und genau an der richtigen Stelle sitzt.

„Und dann plötzlich schneit es mitten unterm Jahr“
(Christina Stürmer)

Interpretieren Sie bitte hier entlang. Kennt wohl jeder, wenn es für einen mal mitten im Jahr schneit. Und ich meine nicht die Line, die manch einer vielleicht zieht.
Wieder einmal darf man sich daran erinnern, dass Zeit nicht zurückgedreht werden kann. Wieder ertappe ich mich dabei, im Kopf den Kalender durchzugehen, um nach Tagen zu suchen, an denen ich diesen oder jenen Verwandten, diesen oder jenen alten Freund besuchen kann. In vier Wochen sind wieder vier Wochen vergangen, der gute Vorsatz bleibt. So lange, bis es zu spät ist.
Jammern auf hohem Niveau. Ich kann mich bald selbst nicht mehr hören. 🙂
Andererseits kann man das auch als gutes Zeichen sehen, wenn diese Gedanken immer öfter heraufziehen, sich immer häufiger ins Hirn brennen. Der Druck wird verstärkt, die Hoffnung bleibt, dass alles noch rechtzeitig auf die Reihe gebracht wird.

Also geht raus in die Welt, liebt dieses Leben, ein anderes gibt es für die meisten nicht (nehme ich an).
By the way: don’t do as I do, just do as I say! Was das angeht bin ich beim besten Willen kein Vorbild.  Wenn einer diesbezüglich ein Vorbild für mich hat, bitte vorbeischicken 🙂

Es grüßt herzlich
Euer Jammerlappen