I’m not your lover, I’m not your friend

I am something that you’ll never comprehend.

Ein Mensch ist gestorben. Ein einzelner. Es gibt mit Sicherheit – wenn man es überhaupt bewerten möchte – schlimmere Dinge derzeit im Weltgeschehen. Dennoch nagt es an mir, dass Prince heute abgetreten ist. Jeder kennt diese Lieder, die einen sofort in die Vergangenheit versetzen, andere Zeit, anderer Ort, Bilder im Kopf. Für mich ist Prince verbunden mit Holland, Schüleraustausch in den Achtzigern. Ernout, mein Gastschüler, war damals absoluter Prince Fan und hat nicht nur die Lieder gesungen, sondern ist auf der Tanzfläche abgegangen wie eine Rakete. Besonders I would die 4 U ist mir noch in Erinnerung. Seit dieser Zeit sind mir diese Liedzeilen ins Gehirn gebrannt, die sich so schön singen lassen.

Es gibt viele traurige und ernste Dinge, mit denen man sich beschäftigen muss oder sollte heutzutage, aber die Musik war und ist für mich schon immer ein Gegenpol dazu. Auch bei Prince gerne politisch und gesellschaftskritisch, aber dennoch für mich befreiend. Man kann sich in viele Lieder von ihm einfach reinlegen, davontragen lassen. I never meant to cause you any trouble… Ihr wisst schon.
Es ist einfach schade, wenn Künstler, die man mochte, mit denen man Lebensereignisse oder -phasen verbindet, nicht mehr da sind. Zieh die Schuh aus, bring den Müll raus… Der Müll ist leider noch da, aber Prince, Roger, Lenny, Glenn, Blowfly, David sind schon gegangen… und gefühlt hat das Jahr erst angefangen.

Ich bin heute nicht nur traurig, dass Prince gestorben ist, ich bin auch traurig darüber, dass weiterhin Flüchtlinge ertrinken und überall auf der Welt Menschen aus verschiedensten Gründen qualvoll leben oder sterben müssen, aber mein Kopf malt gerade viele Bilder in Lila, mit Regen oder Tauben. Kann ich nicht ändern.

Vor fast 30 (dreißig!) Jahren sang Prince über Aids, Bandenkrieg, Drogenmissbrauch, Naturkatastrophen, Nachrichten bei denen es in jeder zweiten Meldung darum geht, dass Menschen gestorben sind, Mütter so verzweifelt sind, dass sie ihr Baby töten, weil sie kein Geld haben es aufzuziehen, noch mal Drogen – von Gras zu H, von der Challenger Katastrophe. Hat sich nicht besonders viel geändert.

Und dennoch: Sign o the times, mess with your mind, hurry before it’s too late. Let’s fall in love, get married, have a baby.
We’ll call him Nate… if it’s a boy.

Danke für all diese schönen Texte, Prince Rogers Nelson.

Wer die Wahl hat…

Fassungslos und mit einer gewissen Hilflosigkeit erhole ich mich immer noch von  der Kommunalwahl in Hessen letzten Sonntag. Immer wieder die eine Frage im Kopf: woran liegt es? Ich habe Freunde, ich habe Arbeitskollegen, ich habe Familie und bisher dachte ich, meinen nicht  vorhandenen Arsch darauf verwetten zu können, dass niemand von ihnen AfD, NPD oder REP wählt. Wenn nun aber die AfD bis zu 20% bei den Wahlen erreicht, dann macht mir das Angst. Erstens, weil gut jeder Zweite gar nicht erst wählen war und zweitens, wenn mein Freundes- und Kollegenkreis den allgemeinen Regeln der Statistik folgt, bald jeder fünfte der anderen Hälfte AfD gewählt hat.
Es gibt Dinge, die ich mit meinem bisschen Verstand einfach nicht nachvollziehen kann.

Liegt es an der Generation? Wer hat “Rechts” gewählt? Die Jüngeren? Weil sie keine Ahnung mehr vom Krieg haben? Ich möchte es nicht glauben, weil das bedeuten würde, dass es in den kommenden Jahren immer schlimmer wird.

Ich gebe zu, die ganze Situation ist ziemlich verfahren. Deutschland möchte den Flüchtlingsstrom begrenzen und hofft unter anderem auf die Unterstützung der Türkei. Die wiederum (und ich betone: ich meine die Regierung, nicht das Volk) sieht sich dadurch in der Position Forderungen zu stellen. Nicht nur Forderungen, in direktem Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise sondern zum Beispiel zum Thema EU-Beitritt. Als wäre das nicht absurd genug, blickt kaum noch einer durch, wen die Türkei in ihren Grenzgebieten und in Syrien bekämpft. PKK? Kurden? IS? All of the above?

In Syrien selbst wundert es mich bei den ganzen Splittergruppen, dass die überhaupt noch wissen, auf wen sie schießen wollen. Was mich aber nicht wundert, ist die Tatsache, dass viele Syrer, vermutlich unterschiedlichster Religionen, keinen Spaß daran haben, dem IS in die Hände zu fallen oder in zerbombten Städten unter Lebensgefahr darauf zu warten, dass doch endlich irgendwann Ruhe einkehrt. Es wird ein Waffenstillstand ausgehandelt, der aber ausdrücklich nicht für den Kampf gegen IS gilt. Prinzipiell wohl richtig, denn der IS muss bekämpft werden, aber ob das militärisch in einem dermaßen destabilisierten Land wie Syrien funktioniert, sei mal dahingestellt.

Da viele Syrer also doch gerne weiterleben, ihre Familie in Sicherheit bringen möchten, flüchten sie. Ich habe es schon mal geschrieben und ich schreibe es noch mal: Mein Haus ist durch eine Bombe zerstört, Familienmitglieder sind vielleicht schon getötet worden, ich habe eine Familie mit Kindern, für die ich mir nichts mehr wünsche, als dass sie in Frieden aufwachsen können, nicht hungern müssen, etwas lernen können. Also mache ich mich auf den langen Weg. Viel kann ich nicht mitnehmen. Mein altes Leben bleibt in meiner Heimat. Jetzt bin ich vielleicht einer von denen, die es tatsächlich noch bis nach Deutschland geschafft haben und die Menschen haben geklatscht, als ich ankam (ja, auch irgendwie irrsinnig, zugegeben), doch plötzlich kippt die Stimmung, meine Unterkunft wird angezündet, meine Kinder werden angepöbelt und haben Angst.  Was macht das mit mir? Bin ich dann motiviert, mich zu integrieren? Das Land kennen zu lernen? Wohl kaum. Ich ziehe mich zurück, bleibe unter Meinesgleichen, entwickle Misstrauen, womöglich  Wut und werde meinen Gastgebern vermutlich nicht mit offenen Armen und Interesse  entgegen treten. Schade. Hätte anders laufen können.

Nicht jeder Flüchtling ist nett, das ist klar, aber jeder nette Flüchtling – und vielleicht bin ich naiv, aber ich gehe davon aus, dass wir hier gut und gerne von 85% reden – ist eine Bereicherung. Ich habe keine Angst davor, dass unsere Kultur durch Menschen aus anderen Ländern zerstört wird. Ich habe Angst davor, dass sie durch die Menschen  die jetzt, 2016, von sich behaupten, sie seien das Volk, mit Füßen getreten und in Stücke gerissen wird.

Mein Vater hatte Angst vor den Russen. Kein Wunder bei den  ganzen Geschichten, die über die damals immer näher heranrückenden Truppen erzählt wurde. Als sie dann da waren, bestätigten sich einige Befürchtungen. Wütende Russen, denen die Deutschen die Mütter, die Kinder, die Geschwister genommen haben. Und dennoch erlebte mein Vater auch den “Menschen” aus Russland. Vor allem einen Mann, dessen zwei Kinder getötet wurden, als deutsche Panzer durch sein Haus fuhren. Dieser Russe, der mit seinem Hauptmann bei meinen Großeltern im Haus einquartiert war, passte nicht ins Klischee. Er war kinderlieb, und spielte mit einem kleinen Kind auf dem Hof, bis ihm die Tränen in Erinnerung an seine Kinder kamen.
Nicht jeder Russe war ein Vergewaltiger – nicht jeder Flüchtling ist ein Attentäter.

Kommendes Wochenende ist Landtagswahl unter anderem in Sachsen-Anhalt. Liebe Familie dort, ich weiß, ihr könnt nicht viel ausrichten, aber tut, was in eurer Macht steht.
Ich wünsche mir, dass das trotz meiner Zweifel besser ausgeht, als bei uns in Hessen.

Bei einer Sache bin ich mir jedenfalls ganz sicher. Meine Eltern, die  den Krieg als Kinder erlebt haben, wünschen sich mit Sicherheit, dass ihre Kinder und Enkelkinder niemals das erleben müssen, was sie selbst erleben mussten.  So lange es noch Zeitzeugen gibt, redet mit ihnen, damit ihr vielleicht ein bisschen versteht, was es bedeutet unter Daueralarm im Bunker zu sitzen oder wenn es schlecht läuft nur im Splittergraben.  Erinnert euch daran, was es bedeuten musste, seine Meinung nicht sagen zu dürfen. Keine freien Wahlen gehabt zu haben.

GEHT WÄHLEN und wählt weise!

Ich bin ein Wutbürger

Vorgestern war ich ein schizophrener Trauerbürger, Fassungslosbürger, Geschocktbürger, Hilflosbürger. Langsam aber haben sich die sozialen Medien scheinbar vom Schock erholt und holen aus zum unvermeidlichen Gegenschlag.

Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr eine schreckliche Nachricht hört, sich das Gefühl der Hilflosigkeit breit macht und man dennoch zeigen möchte, dass einen die Geschehnisse nicht kalt lassen? Ja, ich habe kurz nach den Anschlägen von Paris mein Profilbild in die französischen Nationalfarben getaucht. Ja, kurz darauf verbreitete sich das stilisierte Friedens-, Eiffelturmzeichen, das ich gerne als Profilbild übernommen habe, weil ich es für sehr treffend halte. Offensichtlich haben viele Menschen das Bedürfnis, damit ihre Anteilnahme zu zeigen und ich finde das in gewisser Weise beruhigend. Gemeinschaftsgefühl und so. Abgedroschene Worthülsen? Vielleicht.

Warum aber kriechen einen Tag nach den Anschlägen all jene aus ihren Löchern, die nur zu gerne belehren möchten; die dann noch ihre Freunde, die Verschwörungstheoretiker mitbringen?
Man möchte bitte die französische Flagge nicht als Zeichen der Solidarität nutzen, weil sie Nationalismus und Rassismus stärkt?
https://www.facebook.com/ak-analyse-kritik-Zeitung-f%C3%BCr-linke-Debatte-und-Praxis-183921262475/?fref=nf
Ich bitte euch, kann man mal aufhören, zu übertreiben und zu instrumentalisieren?

Ich lese Statusmeldungen von Menschen, die sich genötigt fühlen mitzuteilen, dass sie ihr Profilbild NICHT in blau weiß rot einfärben, da man Entsetzen nicht vor sich her tragen muss. Nein, muss man nicht. Kann man aber. Da stellt sich doch eher die Frage, warum muss man mitteilen, dass man bei dem Trend nicht mitmacht. Um den anderen zu sagen, ihr seid ja echt voll die Mitläufer und weil ich ein Hirn habe, mache ich da nicht mit?
Und überhaupt sind die Anschläge ja, genau wie die Attentate am 11. September, nur von CIA und wem auch immer vorbereitet und durchgeführt, um das dumme Volk auf einen gerechten Krieg gegen den Islamischen Staat einzustimmen.
Kann man nicht einfach mal seine Anteilnahme ausdrücken ohne gesagt zu bekommen, dass das doch eh alles unsere eigene Schuld ist weil wir uns ja von den Politikern verschaukeln lassen oder dass man sein Profilbild nicht ändern muss, weil es ja eh nix bringt?
Das fühlt sich ein bisschen so an, als käme jemand in knallbunten Klamotten auf eine Beerdigung, weil ja sowieso alles zu spät ist und schwarz nix ändert.

Stimmt, ich habe mein Profilbild bei den Anschlägen in der Türkei, in Beirut, im Libanon, im Irak etc. nicht geändert. Ja, ich gebe zu, dass mir ein Anschlag in Frankreich mehr Angst macht, als einer im nahen Osten. Warum? Weil es (relativ) neu ist. Weil es kein Wunder ist, dass man bei täglich neuen Meldungen von Anschlägen, gesprengten Kulturgütern, verschleppten, getöteten oder verhungernden Frauen, Kindern und Männern nicht mehr mithalten kann und in gewisser Weise abstumpft. Diese Reaktion darauf ist beileibe nicht schön, aber sie ist menschlich.

Ich bin traurig darüber, dass so viele Menschen in Paris ihr Leben bei den Anschlägen verloren haben.
Ich bin traurig darüber, dass so viele Syrer aus ihrem Land flüchten müssen oder dort sterben.
Ich bin traurig darüber dass so viele Menschen bei Anschlägen in anderen Ländern sterben müssen.
Es gibt in dem Zusammenhang sehr viele Dinge, die mich traurig machen und ein Gefühl der Hilflosigkeit hinterlassen, aber ich bin WÜTEND über Menschen, die Zeichen der Anteilnahme und Solidarität schlecht machen, verurteilen oder sich herablassend darüber auslassen und das dann meist noch ohne HIRN.

Ich weiß, Moslems feiern kein Weihnachten, aber falls mir jemand jenseits jeglicher Religion etwas schenken möchte, dann entweder Hirn zum verteilen oder Weltfrieden. Letzteres würde mir völlig reichen.

 

Wirtz mit Musik besser?

Mit Wirtz Musik für mich jedenfalls schon. Und dennoch:
Gespaltene Nation, ich hör den Aufschrei schon
Mein Gott, was singt der da für’n Text,
völlig versaut, total versext
Das kann man doch nicht einfach senden
der wird noch in der Hölle enden…

etc.

Wie schon geschrieben, Daniel Wirtz hat mir gerade noch gefehlt. Deutsch, rockig, nicht genuschelt oder gegrölt, verständlich. Sowohl mit den Ohren, als auch mit dem Herzen. Klar wird er dargestellt, als der Kleine, der jetzt schön viel Aufmerksamkeit durch “Sing meinen Song” bekommt, von dem sonst nur wenige etwas gehört hätten. Recht so, sage ich. Ich war eine Weile hin und her gerissen, aber ich verlinke doch mal auf einen Artikel aus der  Neuen Osnabrücker Zeitung von einem derzeit scheinbar sehr frustrierten Zeitgenossen:

http://www.noz.de/deutschland-welt/medien/artikel/588550/daniel-wirtz-flucht-naidoo-heuchelt-im-tauschkonzert#gallery&53430&0&588550

Herr Benedict hat die Sendung in einem Paralleluniversum gesehen und sowohl mit Plattitüden (ein Dank an wen auch immer für diese Rechtschreibung) als auch mit oberflächlichen Verlinkungen eine Kritik geschrieben, die eine gewisse Komik enthält. Nicht nur kloppt Herr Benedict auf Naidoo und Wirtz ein bisschen herum, nein, er verlinkt auch auf das “ehrliche Porträt” zu Wirtz. Ja, das hat er auch selbst verfasst.

Wem die Artikel in der NOZ zu lang sind:
– Xavier Naidoo erweist sich als Heuchler
– zu Naidoo “In seinen homophoben Anti-Pädophilie-Anti-Abtreibung-Song ‘Wo sind’…”
– Christina Stürmer ist die liebste und langweiligste Musikerin im VOX-Panel
– “Der Song, mit dem der tätowierte Vollbart Wirtz sonst wüste Jungs anspricht, lässt sich bruchlos in Christina Stürmers Heile-Welt-Rock integrieren.” (Wie genau tätowiert man einen Vollbart, Herr Benedict?)
– “Andreas Bourani pfeift zu Recht auf die Underground-Attitüde und kleidet die Nummer ungerührt in seine schönsten Klangfarben.”(Thema verfehlt, Herr Benedict. Setzen, sechs. Schon mal drüber nachgedacht, um was es in diesem Format geht?)
– Zu Wirtz’ Lied “Overkill”: “Wirtz selbst erklärt es: Mit dem Overkill meint er das Dschungelcamp, und das ist für ihn „Volksverblödung de luxe“. (Leider wieder nix begriffen)
– “Wieso bloß hat Xavier Naidoo diesen unbekannten Daniel Wirtz in seine Show geholt? Womöglich nur, damit er dessen Nummer „Frei“ singen kann. Der Song hat alles, was Naidoo liebt: pathetische Leerformeln über „Lichter, die man in Dunkelheit gesperrt“.” (Schön, dass hier von Leerformeln die Rede ist. Wie war das noch gleich mit den tätowierten Bärten?)
– Yvonne Catterfeld wird allerdings über den grünen Klee gelobt, für ihre “Neo-Soul-Nummer im Stil von Amy Winehouse”. Heilige Erykah Badu, da hat sich aber jemand weit aus dem Fenster gelehnt.

Und zu guter Letzt steht im “ehrlichen Porträt”:
“Ein einziger Artikel, so heißt es bei Vox, habe demnach die Karriere von Sub7even zerstört. O-Ton der Doku: „Der Journalist, der von der Plattenfirma beauftragt wurde, eine positive Exklusivstory über die Band zu schreiben, nutzt den Artikel für seine persönliche Abrechnung mit der Musikbranche.“ Wo gibt‘s denn so was?” – Nun, Herr Benedict, ich denke, darüber müssen wir gar nicht weiter reden, solange es so schlecht gelaunte Redakteure gibt.

Jetzt habe ich mich mehr aufgeregt, als ich eigentlich wollte. Und das nach einem musikalisch gelungenen Abend. Ich bin froh, dass “dieser Daniel Wirtz” an meine Ohren gedrungen ist. Auch hier wieder mit Textzeilen, die ich für mich keineswegs Leerformeln sind:

“Hier und jetzt endet die Geschichte! Die Story war so schlecht, dass ich auf ‘nen zweiten Teil verzichte!”

Allein eine Zeile aus “Mon Amour” passt noch besser zu Herrn Benedicts lyrischem Erguss:

“Außer Mist gab’s da nur Müll.”

In diesem Sinne: Rock on! \m/

Wir haben doch keine Zeit, Zeit, Zeit.

Hallo Freunde und solche, die es vielleicht mal waren.

Es ist wieder Dienstag, es ist wieder “Sing meinen Song” Tag und wieder kommt einfach mal eine Textzeile vorbei, die richtig tief und genau an der richtigen Stelle sitzt.

“Und dann plötzlich schneit es mitten unterm Jahr”
(Christina Stürmer)

Interpretieren Sie bitte hier entlang. Kennt wohl jeder, wenn es für einen mal mitten im Jahr schneit. Und ich meine nicht die Line, die manch einer vielleicht zieht.
Wieder einmal darf man sich daran erinnern, dass Zeit nicht zurückgedreht werden kann. Wieder ertappe ich mich dabei, im Kopf den Kalender durchzugehen, um nach Tagen zu suchen, an denen ich diesen oder jenen Verwandten, diesen oder jenen alten Freund besuchen kann. In vier Wochen sind wieder vier Wochen vergangen, der gute Vorsatz bleibt. So lange, bis es zu spät ist.
Jammern auf hohem Niveau. Ich kann mich bald selbst nicht mehr hören. 🙂
Andererseits kann man das auch als gutes Zeichen sehen, wenn diese Gedanken immer öfter heraufziehen, sich immer häufiger ins Hirn brennen. Der Druck wird verstärkt, die Hoffnung bleibt, dass alles noch rechtzeitig auf die Reihe gebracht wird.

Also geht raus in die Welt, liebt dieses Leben, ein anderes gibt es für die meisten nicht (nehme ich an).
By the way: don’t do as I do, just do as I say! Was das angeht bin ich beim besten Willen kein Vorbild.  Wenn einer diesbezüglich ein Vorbild für mich hat, bitte vorbeischicken 🙂

Es grüßt herzlich
Euer Jammerlappen

Toleranz und Frieden

Check, check, one-two.
Nein, ich habe mich nicht in der Kategorie vertan, auch wenn der Rahmen hier durchaus gesprengt wird.

Heute wurde die erste Folge der neuen Staffel des Tauschkonzerts “Sing meinen Song” ausgestrahlt und ich strahle mit. Ich liebe dieses Format.
Viele werden sagen: ach der Xavier wieder, mit irgendwelchen B-Promis im Dschungel der Musik. Holt mich hier raus, hier läuft PUR. Und ich kann nicht anders, auch wenn sich meine Frau dafür von mir scheiden lässt: Ich war schon auf PUR Konzerten (ja Plural) und JA, ich habe mitgesungen! Gut, vermutlich wird sie sich nicht von mir scheiden lassen. Sie wird sagen: kein Wunder, Du hörst ja auch Hubert von Goisern, PRAG und andere seltsame Dinge.

Aber ich schweife schon ab. Eigentlich möchte ich sagen, dass ich diese Abende vor dem Fernseher richtig genieße und sich ein warmes Gefühl der Friedlichkeit in mir ausbreitet, weil ich es so herrlich finde, wie sich Musiker mit den Liedern eines anderen Künstlers auseinander setzen dürfen / müssen und dadurch eine Verbindung zwischen ihnen entsteht.
Daniel Wirtz, der mir vorher völlig unbekannt war, singt Yvonne Catterfeld. Man konnte auch ohne seine Musik zu kennen ahnen, dass das eine Herausforderung wird. Aber er stellt sich ihr. Das alles strahlt eine Toleranz aus, die ich gerne nehmen würde, um sie in Tüten verpackt einigen Menschen um die Ohren hauen zu können. Ja, hier lässt die Friedfertigkeit etwas zu wünschen übrig, aber auch bei mir gibt es Grenzen. Natürlich meine ich das nicht nur musikalisch. Mal schön eine kleine Papiertüte damit gefüllt und dann: “Guck mal, da vorne, der hat aber einen dicken Bart. Und dieser Umhang. Komm, wir gehen mal auf die andere Stra…” BÄÄÄMMM – einmal die aufgepustete Tüte fest gegen die Stirn gehauen. Ja, das würde Frieden schaffen. In mir.  Kurzfristig.

Ich sage nicht, dass ich dagegen gefeit bin. Auch ich sehe viel zu viele Bilder in den Nachrichten  und wir neigen ja immer gerne dazu, das, was wir mit unseren Augen sehen, für bare Münze zu nehmen und auch schön zu pauschalisieren. Nicht nur Offebäscher sinn Verbrescher sondern auch alle, die anders sind. Alle.
Wechsel ich die Straßenseite, wenn mir ein vollbärtiger Moslem (ja, das sieht man doch sofort ;-P ) entgegenkommt? Nein. Wechsel ich die Seite, wenn mir eine Gruppe 15-jähriger mit Flaschen in der Hand begegnet? Vielleicht! – Sekunde, wie war das noch gleich, als ich 15 war…? Ja, dann geh Dir doch mal selbst aus dem Weg.
Für mich und meine Sicht auf die Menschen versuche ich dagegen anzukämpfen. Für mich, nicht für andere.

Einfach mal die Schublade aufmachen, alles rausholen, Schublade wegschmeißen. So etwas ähnliches passiert für mich auch bei diesem Tauschkonzert. Weg mit den Schubladen. Den Gesang von Yvonne Catterfeld mag ich nicht, aber wird ein Lied von ihr von Andreas Bourani (wieso hat  der keinen Bart?) gesungen, kriege ich die Gänsehaut kaum noch weg. Dieter Bohlen hat das geschrieben? Egal. Nur der Beweis, dass man mit Toleranz (und einer Wahnsinnsstimme) auch aus Scheiße Gold machen kann. Und wenn das mit Musik geht, muss das doch auch mit Vorurteilen gehen!

Wer weiß, vielleicht überzeugt Frau Catterfeld mich ja noch in den anderen Folgen, wenn sie Lieder der anderen Künstler singen muss. Aber auch nur vielleicht.

Herz, Kopf, Lachen, Weinen

Wechselbäder sollen ja gesund sein.
Gerade habe ich die Möglichkeit, zu testen, ob das was für den Körper gut sein soll, auch für die Seele gut ist. Die letzten Tage waren ein Wechselbad der Gefühle und so traurig ich heute auch war, so glücklich bin ich darüber, diese Gefühle zulassen zu können. So traurig es ist, Freunde viel zu früh zu verlieren, so schön ist es, den Menschen, die man mag das auch sagen zu können. Es sind Menschen gegangen, die ich gerne noch mal gesehen hätte und während ich das schreibe, fällt mir wieder auf, wie egoistisch das klingt. Es sind Menschen gegangen, die lange gekämpft haben und am Ende vielleicht gar nicht mehr kämpfen wollten. Die einfach nur ihren Frieden gesucht haben. Auch wenn der Sensenmann da eindeutig die zeitliche Reihenfolge nicht berücksichtigt hat. Zurück bleiben Menschen mit Erinnerungen und erst mal viel Trauer und noch mehr Mitgefühl.

Es sind aber auch Menschen (wieder-) gekommen, die einem zeigen, wie viel Herz in einem Körper stecken kann. Die noch wissen, wie gut ein echtes Lachen tut. Wie viel das Wort “Familie” bedeuten kann.

Das Wechselbad öffnet meine Poren: Gefühle rein – Gefühle raus. Das zuzulassen erfordert allerdings noch etwas Übung. Es hat sich ein Misstrauen gegenüber netten Menschen entwickelt, das einen dazu bringt, nach einem Kompliment erst mal nachzusehen, ob Handy und Portemonnaie noch da sind.

Ja, OK, wenn jemand zu mir sagt: “siehst gut aus heute”, dann ist Vorsicht echt angebracht 🙂 aber vielleicht ändert sich wieder etwas. Vielleicht merken die Menschen in der Zeit der Flüchtlingskatastrophen, Erdbeben, Hungersnöte, Fremdenfeindlichkeit, dass es tatsächlich gut tut, ein Lächeln auszuteilen. Oder Kreidesmileys auf dem Asphalt. Oder einfach Seifenblasen.  Hierfür empfehle ich:
https://www.facebook.com/seifenblasenmachengluecklich

Denkt mal drüber nach, was in euch vorgehen würde, wenn ihr plötzlich Seifenblasen an euch vorüberziehen seht oder über ein Smiley auf dem Asphalt, vielleicht noch mit einem netten Spruch dabei, stolpert. Ein Lächeln auf den Lippen? Dann packt die Kreide ein und verbreitet diesen Zauber. Funktioniert im Zweifelsfall auch Aug’ in Aug’, wenn ihr gerade denkt: das Hemd steht dem aber gut oder das ist aber ein schönes Kleid. Einfach mal nicht nur denken sondern auch reden. Ein verstörter Blick als Antwort darauf tut nicht weh, aber ein Lächeln gilt als Dank.

Und dieser Text hier gilt wohl als Therapie 🙂
Macht’s gut Bibi und Mounia. Passt gut auf uns auf.

Giraffenaffen

Ich halte Giraffenaffen als Titel meines ersten Textbeitrages für sehr sinnvoll. Es ist ein schönes Wortgebilde. Es macht Spaß, es laut vor sich her zu sagen oder gerne auch, für die Fortgeschrittenen, das damit assoziierte Lied zu trällern. Gut, mittlerweile gibt es mehrere Lieder, die man damit in Verbindung bringen kann, man muss aber nicht gleich alle hintereinander zum Besten geben.

Ich traf auf iTunes zum ersten Mal auf die Giraffenaffen und war froh, Musik gefunden zu haben, die kindertauglich ist, aber nicht sofort nach dem zweiten Genuss ein flaues Gefühl in der Magengegend bewirkt. Die Giraffenaffen machen zwar meine Kinder atemlos, wenn sie dazu wild durch die Wohnung springen, haben aber dennoch nicht den Helene Fischer Effekt. Oh, das muss ich mir aufschreiben – oder halt später in meinem Blog nachlesen – Helene Fischer Effekt klingt nach einem verheißungsvollen Titel für einen weiteren Textbeitrag.

Giraffenaffen ist der Titel von mittlerweile drei musikalischen Werken. Mehr oder weniger gute und mehr oder weniger bekannte Künstler singen Kinderlieder oder solche, die es sein könnten. Da  ist selbst Papa immer wieder lautstark dabei.

Für alle, die Kinder haben oder selbst immer wieder die alten Volksweisen unter der Dusche schmettern: werft ein Ohr auf die Giraffenaffen!